Der Kaufmann von Venedig


Originaltitel: The Merchant of Venice

Großbritannien / Luxemburg / Italien 2004

Regie: Michael Radford



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Drehbuch: Michael Radford (nach dem 1598 uraufgeführten Drama THE MOST EXCELLENT HISTORIE OF THE MERCHANT OF VENICE von William Shakespeare)

Kamera: Benoit Delhomme (CinemaScope)

Darsteller: Al Pacino, Jeremy Irons, Joseph Fiennes, Lynn Collins, Zuleikha Robinson, Kris Marshall, Charlie Fox, Heather Goldenhersh, Mackenzie Crook


Eine Menge Shakespeare-Dramen sind in den letzten Jahren neu verfilmt worden, und dass THE MERCHANT OF VENICE bisher ausgelassen wurde, ist kein Zufall. Er gehört weder zu den großen Tragödien noch zu den hintersinnigen Komödien. Anders als bei ROMEO AND JULIET oder MUCH ADO ABOUT NOTHING versteht man die Handlung nicht auf Anhieb. Im Gegenteil, das Stück ist sehr uneinheitlich strukturiert und kann auf unterschiedlichste Art (miss)verstanden werden.

Die berühmte Figur des Juden Shylock etwa wurde im Lauf der Jahrhunderte mal als komisch, mal als tragisch interpretiert. Er wird recht eindimensional charaktierisiert als von blindem Rachedurst geleiteter Geldverleiher, der den Bankrott des Kaufmanns Antonio ausnutzt und auf sein vertraglich vereinbartes Pfand besteht: ein Pfund Fleisch von Antonios Körper. Eine Chance zur inneren Entwicklung bietet das Stück dem Juden nicht, genauso wenig wie dem aus unverständlichen Motiven heraus so selbstlos agierenden Kaufmann. Auch der Gegensatz zwischen Juden- und Christentum wird nicht richtig ausgeführt, er dient sozusagen nur als Podium für den Racheplan, der sich am Schluss gegen den Urheber richtet. Denn da taucht plötzlich ein deus ex machina in Gestalt eines Rechtsgelehrten auf, der alle Beteiligten zu Statisten degradiert und der Handlung eine Kehrtwende gibt. Dass es sich bei dem Rechtsgelehrten um eine verkleidete Frau handelt, sogar um die verwöhnte Erbin Portia, die bisher nicht mehr zu tun hatte als schön auszusehen und eine Reihe von Freiern zu begutachten, muss man als Zuschauer eben schlucken. Solche grotesken Wendungen gehörten nun mal zum Genre des Märchenspiels, in dessen Tradition der KAUFMANN steht.

Die zweite Teilhandlung, die nicht in Venedig, sondern auf dem Schloss Belmont spielt, ist weitaus weniger spannend. Der verstorbene Schlossherr hat testamentarisch verfügt, dass seine Tochter (Portia) dem Freier gehört, der von drei Truhen die richtige auswählt. Die Parade der Freier gleicht einer Ansammlung von Klischees, und als Antonios Freund Bassanio auftaucht, wird auf der Stelle geliebt und geheiratet, und das gleich mehrfach. Zusammen mit der angehängten Verwechslungsgeschichte könnte das durchaus die Handlung eines Heinz-Rühmann-Films aus den 30er Jahren darstellen. Wobei man allerdings zugeben muss: die Dialoge sind natürlich klasse, und die Schauspieler ebenfalls, angeführt von Al Pacino als Shylock, der ist einfach sensationell.