Hotel Ruanda


Originaltitel: Hotel Rwanda

Großbritannien / Südafrika / Italien 2004

Regie: Hannes Stöhr



Thanks to http://www.hotelruanda.de

Drehbuch: Keir Peerson, Terry George

Kamera: Robert Fraisse (CinemaScope)

Darsteller: Don Cheadle, Sophie Okonedo, Joaquin Phoenix, Desmond Dube, David O'Hara, Cara Seymour, Fana Mokoena, Hakeem Kae-Kazim, Tony Kgoroge, Mosa Kaiser, Mathabo Pieterson, Ofentse Modiselle, Nick Nolte, Jean Reno (uncredited)


11 Jahre hat diese Geschichte gebraucht, um erzählt zu werden, aber es ist eine dieser Geschichten, die einfach irgendwann erzählt werden müssen. Vor 11 Jahren, 1994, hat der Völkermord der Hutu an den Tutsi stattgefunden, von dem wir immer noch viel zu wenig wissen, auch wenn an der einen oder anderen Stelle (WAR PHOTOGRAPHER) kurz die Rede davon war. Dieser Film - und das ist sicher einer seiner Hauptaspekte - hilft uns, diese Wissenslücke zu schließen.

Der Völkermord fand statt in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie, die nach dem Ersten Weltkrieg an Belgien fiel. Und es waren erst die europäischen Kolonialherren, die den Konflikt zwischen den Hutu und den Tutsi zu einem ethnischen Konflikt machten. Denn es handelt sich bei den Hutu und den Tutsi nicht um Völker unterschiedlicher Abstammung, sie unterscheiden sich vielmehr geringfügig durch ihr Aussehen, vor allem aber durch ihren sozialen Status. Schon vor der Kolonialzeit bestand die Oberschicht aus Tutsis, sie stellten den König, aber der Einzelne konnte seine Zugehörigkeit durch eine Heirat wechseln. Erst die Belgier waren es, die entweder "Hutu" oder "Tutsi" in die Pässe stempelten und damit einen Stammesgegensatz kreierten, den es zuvor so nicht gab. Und da sie die Tutsi als herrschenden Volksstamm betrachteten und sie materiell begünstigten, legten sie damit den Grundstein für den langsam eskalierenden Rassenhass.

1962 erlangte Ruanda die Unabhängigkeit - unter Führung der Hutu, die mit etwa 80% die Bevölkerungsmehrheit stellten. 1973 ernannte sich nach einem Staatstreich General Habyarimana, ein Hutu, zum Präsidenten. Militante Tutsis rebellierten gegen ihn und stürzten das Land ab 1990 in den Bürgerkrieg. 1993 stationierten die UN Blauhelm-Soldaten in Ruanda, aber sie sollten nicht aktiv eingreifen, sondern nur durch ihre Präsenz das Schlimmste verhindern. Das gelang ihnen nicht - sie waren ohne Chance, als sich Hutu-Milizen heimlich bewaffneten und auf ein Kommando des Hetzsenders RTLM mit Massakern an den Tutsis begannen. Alle Hutu waren aufgefordert, die nur "Kakerlaken" genannten Tutsi in ihrer Nachbarschaft abzuschlachten. Die Tutsi sollten ein für alle Mal ausgerottet werden.

Als das Morden losging, geschah das Unfassbare. Die internationale Gemeinschaft wandte sich ab. Die ausländischen Zivilisten wurden aus dem Land geflogen (Einheimische wurden nicht mitgenommen), und auch die Soldaten wurden abgezogen - bis auf ein lächerliches Kontingent von 270 Mann. Der UNO-Sicherheitsrat blieb passiv, was an den USA und Großbritannien lag (schon damals!), die sich weigerten, den Begriff "Völkermord" anzuwenden. Erst drei Monate und eine Million (!) Todesopfer später wurden wieder Truppen geschickt, und die Tutsi-Rebellen gewannen die Oberhand.

Der Film schildert diese drei Monate aus der Sicht eines Hotelmanagers in Kigali, der mit viel Mut und Tatkraft und noch mehr Glück seinen schmalen Handlungsspielraum dazu benutzt, um Hunderten Flüchtlingen das Leben zu retten. Ein ruandischer Oskar Schindler, dessen Charakter allzu blütenweiß leuchtet und dessen Geschichte allzu hollywoodmäßig abläuft, mit einigen Last Minute Rescues und der obligatorischen Familienzusammenführung am Schluss, aber das kann den Gesamteindruck dieses packenden und ergreifenden Films nur wenig schmälern.