Million Dollar Baby


Originaltitel: Million Dollar Baby

USA 2004

Regie: Clint Eastwood



Thanks to http://www.imdb.com

Drehbuch: Paul Haggis (nach der 2000 erschienenen Storysammlung ROPE BURNS: STORIES FROM THE CORNER von F.X. Toole)

Kamera: Tom Stern (CinemaScope)

Darsteller: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman, Anthony Mackie, Jay Baruchel, Mike Colter, Lucia Rijker, Brian O'Byrne, Margo Martindale, Riki Lindhorne, Michael Peña


MILLION DOLLAR BABY vereint zwei Filme in einem, und jeder von beiden hätte alle 4 Oscars verdient, und noch mehr.

Der erste Film ist ein Sportfilm, ein Film übers Boxen, und steht dabei weniger in der Tradition von ROCKY als vielmehr der großen Klassiker von Howard Hawks. Es geht um ein verschworenes Team von Professionals, die nicht viele Worte machen und keinen Wert auf intime Freundschaft legen, die aber zwei Eigenschaften im Übermaß mitbringen: Arbeitsethos und Loyalität. Das schweißt sie zusammen, und dabei spielen weder Rasse, Geschlecht, Alter oder Herkunft eine Rolle. Wie im Team von HATARI! fliegen gelegentlich die Fetzen, aber wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen und haben Erfolg. Im Sport wie im Leben. So mitreißend und dabei zärtlich wird diese Geschichte erzählt, dass man meint, man ist mitten drin. Selten hatte ich so sehr das Gefühl, alles auch RIECHEN zu können: den Schweiß, die billigen Putzmittel, das Leder, und dann, viel später, draußen die Nachtluft.

Doch dann passiert aus heiterem Himmel ein Unglück, und alles ändert sich. Die Boxerin bricht sich im Ring die Wirbelsäule, und ihr Trainer macht sich die bittersten Vorwürfe. Alte Wunden brechen auf, deren Vorgeschichte man nicht kennt. Das korrespondiert mit der Fotografie, die mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitet, als wolle sie deutlich machen: Wir sehen nicht alles, aber was wir sehen, um so klarer. Mit wenigen Worten handelt der Film in ein paar Minuten die Thematik von MAR ADRENTRO ab, erschütternder und erschöpfender, als der es in zwei Stunden konnte. Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, und was bleibt, ist Schuld und Verzweiflung. Die Erkenntnis, dass alles ein Ende hat, und der Trost, dass einem ein Stück Unsterblichkeit bleibt, wenn man das Beste versucht hat. Wie F.X. Toole alias Jerry Boyd, der im Alter von 70 sein einziges Buch veröffentlicht hat, die Verfilmung durch Clint Eastwood aber leider nicht mehr erleben durfte.