Taking Lives


Originaltitel: Taking Lives

USA / Kanada 2004

Regie: D.J. Caruso



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Drehbuch: Jon Bokenkamp (nach einem Roman von Michael Pye)

Kamera: Amir Mokri

Darsteller: Angelina Jolie, Ethan Hawke, Kiefer Sutherland, Olivier Martinez, Jean-Hugues Anglade, Gena Rowlands


Was RED DRAGON und THE SILENCE OF THE LAMBS von Thomas Harris zu Meilensteinen des Thrillers gemacht hat (egal, wie tief der Autor danach mit HANNIBAL gesunken sein mag), war zweierlei. Der detaillierte Einblick in eine bis dahin unbekannte Sparte der Verbrechensaufklärung, für den Harris jahrelang akribisch recherchiert hat, der den "Profiler" als Berufsbild einführte und dem FBI einen bis heute anhaltenden, unverdienten guten Ruf bescherte. Und zweitens die schockierende und ebenfalls auf gründlichen Recherchen beruhende Schilderung der Praktiken von Gewaltverbrechern, die sich sexuelle Befriedigung verschaffen, indem sie andere Menschen foltern und töten. So spannend die Handlung auch war, wichtiger war, dass man all das glauben konnte. Die Bedrohung, die von den Gewalttätern ausging, schien real, und die Arbeit der Ermittler ein Stück Gegenwartsgeschichte. Man konnte einiges lernen aus diesen Büchern.

Was nach kam, war ein Schwall von Gülle. Serienkiller waren in, mit Rip-Offs ließ sich Geld machen. Außerdem konnte die Bush-Ideologie wunderbar auf diese Geschichten projiziert werden: hier das personifizierte Böse, zu erkennen an seinem diabolisch-überlegenen Grinsen (keine Spur mehr von sexueller Motivation), da das Gute, das es gerade noch schafft, das Böse zur Strecke zu bringen, und auch nur mit Hilfe der allerneuesten Produkte der Auto- und Waffenindustrie. Das Böse musste jedenfalls vernichtet werden, und irgendwie schaffte es das Drehbuch jedes Mal, dass die finale Tötung mehr von Notwehr hatte als von Rache und Hinrichtung.

Woran man die Gülle noch erkennen konnte, war, dass zwischen Ermittler und Täter irgendeine persönliche Beziehung konstruiert wurde. Etwas, was in der Realität NICHT, NIE, NIEMALS vorkommt. Nach dem Motto "Immer schön primitiv bleiben" wird das Geschehen auf eine persönliche Ebene transportiert, die gesellschaftlichen Komponenten ausgeblendet. Sich selbst verteidigen wird man ja wohl noch dürfen, da können auch diese Menschenrechtsfanatiker nichts mehr dagegen sagen.

Damit wäre auch schon alles über dieses Stück Müll gesagt. Angelina Jolie als FBI-Profilerin vögelt mit Ethan Hawke, dem Serienkiller, und ersticht ihn am Schluss mit einer Schere. Der Hollywood-Mainstream gewöhnt sein Publikum an immer größeren Blödsinn. Jeder C-Western aus den 50er Jahren hat sein Publikum ernster genommen, als es die Genre-Filme heute tun. Talentierten jungen Regisseure wie D.J. Caruso setzt man solche schwachsinnigen Drehbücher vor und verheizt sie damit. Spätestens seit dem 11.09.01 könnte man alles, was aus Hollywood kommt, rechts liegen lassen - wenn es nicht immer noch Ausnahmekünstler mit starken Persönlichkeiten gäbe, die sich gegen die Maschinerie durchsetzen können. Wenn es sich nicht immer noch lohnen würde, nach Ausnahmen von der Regel zu suchen. Ja, es lohnt sich immer noch. Aber die Suche macht immer weniger Spaß.