Originaltitel: The Rules Of AttractionUSA / BRD 2002Regie: Roger Avary![]() Thanks to http://www.imdb.comDrehbuch: Roger Avary (nach dem 1987 erschienenen Roman THE RULES OF ATTRACTION von Bret Easton Ellis)Kamera: Robert BrinkmannDarsteller: James van der Beek, Shannyn Sossamon, Kip Pardue, Jessica Biel, Ian Somerhalder, Clifton Collins jr., Thomas Ian Nicholas, Swoosie Kurtz, Faye Dunaway, Eric Stoltz, Kate BosworthDie Regeln des Spiels sind einfach: Hol dir dein Vergnügen, deine Portion Sex, Drugs and Rock'n'Roll, wo du sie kriegen kannst. Nutze andere aus, nimm keine Rücksicht, sei skrupellos. Und hüte dich davor, diese Hetze von einer Party zur nächsten Pre-Party und Before-Pre-Party-Party irgendwie in Frage zu stellen. Wer einen Moment innehält und über dieses Treiben und vielleicht sogar über sich nachdenkt und sich am Ende gar noch verliebt, hat schon verloren, ist am Arsch, und wie! Demonstriert wird all das anhand eines Reigens. Eine Handvoll Studenten an einem College, jede/jeder ist in jemanden verliebt, der diese Liebe nicht erwidert, sondern wiederum in einen anderen verliebt, der seinerseits jemand anderen im Kopf hat. Begierde und Enttäuschung, Rachegelüste und Niederschlagenheit wechseln sich ab, wobei die Beteiligten das Spiel durchaus durchschauen, ihr eigenes Verhalten verurteilen, aber es nicht ändern - als sei der Strom, in dem sie schwimmen, zu stark, um sie loszulassen. "Typisch!" sagt Sean Bateman (der Bruder von AMERICAN PSYCHO Patrick Bateman), als er aus enttäuschter Liebe Selbstmord begehen will, dann aber wieder aufwacht und entdeckt, dass er sich vollgepißt hat. Sie machen sich lächerlich, die Seans, Laurens, Laras, Pauls und Victors, und sie wissen es auch und geben es zu. Wenn uns Roger Avary über seine Figuren lachen läßt, hat es deshalb nichts mit Denunziation zu tun. Wir Zuschauer lachen und leiden mit ihnen, und sie, die Figuren, sprechen mit uns, sie sprechen direkt in die Kamera. Avary stellt damit von Beginn an eine große Nähe her zwischen seinen Figuren und uns - damit wir sie verstehen und nicht meinen, das alles hätte nichts mit uns zu tun. Und WIE Avary das macht, ist einfach sensationell - als wolle er die Filmsprache neu definieren! Gleich zu Beginn, als die Figuren vorgestellt werden, benutzt er nicht die übliche Parallelmontage, um drei gleichzeitige Handlungsstränge zu erzählen, sondern rast im Zeitraffer zurück zum Schnittpunkt und verfolgt von da die nächste Person. Eine Split-Screen-Sequenz bereitet uns auf das schicksalhafte Zusammentreffen von Sean und Lauren vor, eine Drei-Minuten-Montage faßt Victors Europe Trip zusammen, eine kurze Schnittfolge enthüllt uns Brainstorming-artig das Geheimnis der anonymen Briefschreiberin. Roger Avary läßt seinen Film wie einen Orkan über uns hinwegfegen, als wolle er uns in sein Universum hinüberwehen. In sein Universum, das vielleicht tarantinoesker ist als Tarantino selber, in dem Brutalität und Ironie nicht voneinander zu trennen sind, sich aber gegenseitig nicht entwerten, sondern verstärken. Wir fürchten uns, während wir lachen, und wir amüsieren uns, während wir frösteln. Es gibt ganz Wenige, die diese Kunst beherrschen, die Schriftstellerin Helen Zahavi zum Beispiel, oder eben auch Roger Avary, der Co-Autor von PULP FICTION, der 9 Jahre nach dem umwerfenden Regiedebüt KILLING ZOE endlich seinen zweiten Kinofilm vorgelegt hat. Meine Verehrung! |