Originaltitel: War PhotographerSchweiz 2001Regie: Christian Frei![]() Thanks to http://www.war-photographer.comDrehbuch: - - -Kamera: Peter Indergand, James NachtweyDarsteller: James Nachtwey, Christiane Amanpour, Hans-Hermann Klare, Christiane Breustedt, Des Wright, Denis O'NeillZuerst sieht man ihn nur bei der Arbeit, schweigend, konzentriert. Dann reden Leute über ihn, der erste Satz lautet, dass er ein Rätsel darstelle. Erst nach einiger Zeit hört man ihn selbst sprechen, und selbst da zunächst aus dem Off. Der Film ist sehr zurückhaltend mit Erklärungen, und Wertungen vermeidet er völlig. Nicht nur, weil es um ein heikles Thema geht: um einen Kriegsfotografen, um James Nachtwey, den angeblich berühmtesten dieser seltsamen Zunft. Auch weil der Film dessen Arbeit insofern würdigt, als er sich stilistisch an ihm orientiert: keine Vorurteile haben, genau hingucken, Respekt haben vor den abgebildeten Menschen, allein die Bilder sprechen lassen. Und so haben wir genug Zeit, diesen merkwürdigen Mann kennenzulernen, ohne ihm persönlich sehr nahe zu kommen. Zu sehr hat James Nachtwey sein Leben dieser Aufgabe gewidmet, als dass man "normal" mit ihm kommunizieren könnte. Er spricht nicht gern über seine Erlebnisse, er hat kein Zuhause, und statt abends mit den Journalisten und Redakteuren auf ein Bier mitzukommen, geht er lieber früh ins Bett. Er wirbt nicht mit Worten für sich und seine Mission, aber sein Auftreten ist beeindruckend genug, sein ruhiger Ernst, seine kurzen und präzisen Sätze, seine konsequente Entschlossenheit. Vor 30 Jahren, in der Zeit des Vietnamkriegs, hat er sich dazu entschlossen, Kriegsfotograf zu werden, um der Welt zu zeigen, was in Kriegen wirklich passiert. Und aus diesem Bedürfnis nach Wahrheit (natürlich gepaart mit Abenteuerlust) erwuchs nach und nach eine immer größere Solidarität mit den abgebildeten Personen - den weinenden Witwen im Kosovo, den Opfern der Kriegsgräuel in Ruanda, den Obdachlosen in Indonesien, den Steinewerfern in Ramallah. Diese Parteilichkeit unterscheidet ihn von seinen Kollegen: er hält sich das Grauen nicht mit Zynismus vom Leib, sondern begibt sich mitten hinein. Dass auch er kein Engel ist, wird aus verschiedenen Aussagen über seinen Ehrgeiz und seine Beziehungsunfähigkeit deutlich, aber sein Schaffen verdient menschlich und künstlerisch höchsten Respekt. |