Chocolat


Originaltitel: Chocolat

USA 2000

Regie: Lasse Hallström



Thanks to cinema Heft 3/01

Drehbuch: Robert Nelson Jacobs (nach einem Roman von Joanne Harris)

Kamera: Roger Pratt

Darsteller: Juliette Binoche, Judi Dench, Alfred Molina, Lena Olin, Johnny Depp, Carrie-Anne Moss, Hugh O'Connor, John Wood, Peter Stormare, Leslie Caron


Der Film spielt 1959 in einer französischen Kleinstadt (gedreht wurde im burgundischen Flavigny-sur-Ozcrain). Ein ländliches Idyll, fernab von der großen Politik, die in den Metropolen gemacht wird. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit von DON CAMILLO UND PEPPONE, nicht nur wegen der Zeit, auch wegen der Art, die Welt zu sehen: die Menschen sind aufgeteilt in zwei verschiedene Lager, die sich bekämpfen, aber sich nicht wirklich böse sein können und wollen. So übersichtlich ist die Wirklichkeit leider nicht, aber es geht nicht um die Wirklichkeit, das macht der Film von Anfang an klar, er legt den Schleier des Es war einmal über die Geschichte, und daran, an seinem eigenen Anspruch, sollte man den Film auch messen.

Denn es ist ein Märchen. Märchen simplifizieren die Realität, um die Konstellationen herauszufiltern, auf die es ankommt. Und sie benutzen dazu fantastische Elemente, die die Wirklichkeit beeinflussen, ohne dass es irgendjemanden wundert. Hier ist es der Nordwind, der die attraktive Vianne mit ihrer kleinen Tochter und ihrem unsichtbaren Känguruh in das französische Städtchen bläst, um seinen Bewohnern ein paar Lektionen zu erteilen. Dass man nicht sein ganzes Leben um den verstorbenen Mann trauern soll. Dass man nicht im Ehegefängnis versauern muss, wenn man das nicht will. Dass man die Fesseln einer strengen Erziehung abschütteln sollte. Dass man auch ohne Entbehrungen ein guter Mensch sein kann.

Ja, der Nordwind hat eine über das Kuckucksnest fliegen lassen, manchmal brauchen wir vielleicht einen Engel, der uns unser verlorenengegangenes Selbstvertrauen wiedergibt. Und da auch Engel ein Recht auf Glück haben, sei Juliette Binoche ihr Happy-end mit dem gitarrespielenden Tramp Johnny Depp vergönnt.