Gladiator


Originaltitel: Gladiator

USA / Großbritannien 2000

Regie: Ridley Scott



Thanks to cinema Heft 6/00

Drehbuch: David Franzoni, John Logan, William Nicholson (nach einer Story von David Franzoni)

Kamera: John Mathieson

Darsteller: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Derek Jacobi, Djimon Hounson, Richard Harris, David Schofield, John Shrapnel, Tomas Arana, Ralf Moeller, Spencer Treat Clark


Wow, endlich wieder ein Sandalenfilm! Wie gern haben wir uns damals die alten Römer im Kino angesehen, von Quo Vadis und Ben Hur über Spartacus bis zu Anthony Manns Fall Of The Roman Empire. Lang, lang ist's her, und groß, sehr groß sind die Vorbilder. Das Schöne an Gladiator ist, daß er die Herausforderung annimmt: er hat die alten Mythen bewahrt, will sich an den klassischen Vorbildern messen lassen. Und sie mit den Mitteln des modernen Actionfilms auch ein wenig übertrumpfen.

Es geht gleich in medias res, in die Wälder Germaniens, mitten hinein in ein Schlachtengetümmel, so wild, verzweifelt und hoffnungslos, wie es seit Saving Private Ryan Standard geworden ist. Danach die eigentliche Geschichte, sie handelt von Kaiser Marc Aurel, dem "Philosophen auf dem Kaiserthron", und seinem verrückten Nachfolger Commodus. Kein Epos, sondern ein Drama von Shakespeare'schen Ausmaßen, es geht um Macht und Moral, Ehrgeiz und Brutalität, Politik und Intrigen. Mit einer monumentalen Hauptfigur (wunderbar: Russell Crowe), Marc Aurels Feldherr Maximus, der fast einem Attentat Commodus' zum Opfer fällt und als Gladiator nach Rom zurückkehrt, um sich am neuen Kaiser zu rächen.

Auch wenn der Film zu viel verspricht und zu wenig hält, die angeschnittenen Motive (die Gründe der Überlegenheit der römischen Zivilisation, die Rolle des Entertainments darin, die Figur des Tyrannen Commodus zwischen Sadismus und Inzest, schließlich sogar Anklänge an Hamlet in der Figur des Maximus) zu wenig ausführt, "zu klug für ein naives Spektakel und zu dumm für eine historische oder wenigstens filmische Reflexion" (Georg Seeßlen in epd-Film Heft 6/00) ist - trotzdem bietet der Film einiges, prächtige Breitwandaufnahmen, spektakuläre Kampfszenen, eine wieder einmal kongeniale Musik von Hans Zimmer (dem Bayern in Hollywood) und in dem opernhaften Finale schließlich doch noch eine reife filmische Leistung.