American Beauty


Originaltitel: American Beauty

USA 1999

Regie: Sam Mendes



Thanks to UIP Filmverleih

Drehbuch: Alan Ball

Kamera: Conrad L. Hall

Darsteller: Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch, Wes Bentley, Mena Suvari, Peter Gallagher, Allison Janney, Scott Bakula, Sam Robards, Chris Cooper


Zwei uramerikanische Mythen ziehen sich wie ein allgemeingültiges Raster durch die meisten Hollywood-Filme: der Mythos von der Familie als höchstem Gut und der vom Kampf eines Einzelnen, der seine Ideale gegen eine böswillige Mehrheit verteidigt. Sam Mendes, ein Londoner Theatermann, begeht in seinem ersten amerikanischen Film den Frevel, beide Mythen gegeneinander auszuspielen. Zwei Nachbarsfamilien, und beide sind sie ein Hort von Kälte, Krieg und Leid. Fast alle wollen aus diesem Gefängnis von Tisch und Bett ausbrechen, mit unterschiedlichen Mitteln: der eine führt ein Doppelleben als braver Sohn und voyeuristischer Dealer, der andere sagt sich los von Frau und Job und bricht auf in ein neues Leben voller Hoffnung. Und ausgerechnet er muß diesen Ausbruch, diesen eigentlich uramerikanischen Kampf um Freiheit und Ideale mit dem Leben bezahlen, wird ermordet von einem anderen uramerikanischen Prototypen, dem rechtsradikalen Marine, der mit Gewalt den Zerfall der Familienfassade wenn nicht zu verhindern, dann wenigstens zu rächen sucht.

So blutig hat seit Danny de Vitos War of Roses niemand mehr diese heilige Kuh geschlachtet, und wer weiß, vielleicht beziehen sich die Rosenblätter, mit denen Kevin Spacey seine neue Angebetete in Tag- und Nachtträumen bedeckt, auf dieses Vorbild. Apropos Titel: American Beauty heißt, so lese ich, ein Cocktail, der gesund und rosig aussieht, in Wirklichkeit aber ein Knockout ist.

Schon das ist ein Affront - und dabei ist die Kritik am American Way of Life nicht direkt, wütend, predigend, sondern selbst wieder ironisch gebrochen, fröhlich erzählt aus der Perspektive eines Toten, elegant verpackt als kurzweiliges Kaleidoskop voller erlesener Bilder und Dialoge. Man sieht, daß Regie, Drehbuch, Kamera genau wußten, was sie wollten. Seltsam, daß so ein ungewöhnlicher, einzigartiger Film einen derart großen Erfolg hat. Vielleicht ist diese Welt ja doch noch zu retten?